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Pilgren nach Santiago

Das tschechische Wort „pouť“ stammt vom altslawischen Wort „pút“, dessen Wurzeln bis zum altindischen „panthás“ (Weg) zurückliegen. Jede Pilgerfahrt ist also ein Weg, im symbolischen Sinne des Wortes sowohl eine Initiation als auch ein Akt der Ergebenheit. Das Motiv der Pilgerfahrt erscheint in vielen religiösen Glaubenrichtungen, die bestimmten Orten eine besondere Macht oder Kraft beimessen.

Nach dem Vorbild der jüdischen Festreisen zum Tempel in Jerusalem reisten auch Christen zu heiligen Stätten. Bereits seit dem 2. Jahrhundert pflegten die Christen die Gräber der Märtyrer zu besuchen und dort zu beten. Seit dem 4. Jahrhundert wanderten dann die Pilger ins Heilige Land, um die mit dem Christi Leben verbundenen Orte zu besuchen. Den Aufschwung von Pilgerfahrten brachte die Zulassung des Christentums als Religion mit sich. Neben den Pilgerfahrten ins Heilige Land wurden damals auch Pilgerreisen nach Rom zu den Orten des Martyriums der Apostel Petrus und Paulus und vielen anderen christlichen Märtyrer, und insbesondere der Pilgerweg nach Santiago de Compostela zum angeblichen Grab des Apostels Jakobus des Älteren (Camino de Santiago) sehr beliebt.

Der Pilger ist als Symbol eines Menschen zu betrachten, „der durch diese Welt, die vorübergehende Heimat aller Menschen wandert, um das ewige Ziel, die neue Heimat und das wahre Leben zu erreichen“. Dieser Begriff ist nicht nur in der Literatur und Kunst der christlichen Welt zu finden, sondern auch bei anderen nicht christlichen Glaubensrichtungen. Kurz gesagt, Pilgerfahrt und Leiden, sowie auch Freude im Zusammenhang mit dem Weg und Erreichen eines fernen Zieles, sind Vorbild eines Weges zur Erlösung. Der Pilger, „homo viator“, repräsentiert mit seinem Weg die Demut, die Hoffnung und den Glauben.

Im Allgemeinen werden die Pilgerfahrten der Gläubiger als Bestandteil des Initiationsrituals der Reisen „hinter den Vorhang“angesehen, „der Reisen aus der Welt der Illusion und des Scheins in die Welt der Wirklichkeit und Ewigkeit, von der Herrschaft des Todes zum Leben, vom Menschentum zur Göttlichkeit“. Für jeden Pilger selbst bedeutete eine Wallfahrt zuerst eine Sühne, Entsühnung und Erneuerung des geistlichen Lebens, also auch eine Versöhnung, Hoffnung und zu guter Letzt ein Fest.

Die größte Bedeutung hatte die Pilgerschaft in der romanischen Zeit. Die Pilger wurden u. a. von dem Reliquienkult getrieben. Sie konstituierten sich zu einer Sonderkategorie von wahren Christen, die auch im kanonischen Recht definiert wurde; ihre Kleidung (die Kleidung selbst war ein Schutzzeichen) sowie das Tragen von Emblemen waren rechtlich geregelt und es gab auch ein Ritual des Weggehens und des Weges. Dazu gehörte auch eine Messzeremonie, während der die Stäbe, Brotsäcke und die Pilger selbst gesegnet worden waren. Für die Reise erhielt der Pilger ein Begleitschreiben, die vermögenden Pilger wanderten mit bewaffnetem Geleitschutz. Die „Einweihungsstufen“ verfolgten die Etappen des christlichen Lebens – es wurde zwischen den Anfängern, den Fortgeschrittenen und den „Vollkommenen“ unterschieden. Zumindest für einige Monate führten sie ein asketisches Leben. Allmählich schließen daran auch Reisen an, welche die Ausbildung, Unterhaltung sowie das Abenteuer zum Ziel hatten. Nicht umsonst ist die Pilgerschaft in die Dynamik des christlichen Lebens eingeordnet. Im Laufe der Zeit wurde die Buße oft zum Motiv der Pilgerfahrt, ohne dass diese den Pilgern vom Priester auferlegt worden war.

Die Häufigkeit der Reisen nahm im 12. Jahrhundert zu. Neben den Kreuzzügen spielten auch die neu gegründeten Mönchsorden ihre große Rolle, insbesondere waren es die Zisterzienser und die Prämonstratenser, die zum Unterschied zu den vollkommen abgeschiedenen Benediktiner dank ihrer Zentralisierung das alljährliche Treffen der Vorgesetzten der ganzen Kirche pflegten. Mit dem Wandern verbrachten viel Zeit auch Bettelmönche. Im Zivilleben sehen wir dann die europaweite Zunahme an Universitäten, wobei die Meister und Studenten zwischen deren einzelnen, insbesondere den ruhmreichen Fakultäten (z. B. juristische Fakultät in Bologna) wanderten. Die Wallfahrt als Touristik auf dem Jakobsweg, gilt als Phänomen des zwanzigsten Jahrhunderts, ausgelöst insbesondere durch den postmodernen Individualismus und die Suche nach persönlichen zivilisatorischen Wurzeln und dem geistlichen Raum für das eigene Ego. Das Interesse an Pilgerfahrten ist von den Reihen der Gläubiger, insbesondere der spanischen und französischen katholischen Kreise, in die europäische sowie die weltweite Dimension auch durch die Herausgabe des Buches Tagebuch einer Pilgerreise nach Santiago de Compostela von Paolo Coelho hinüber gewachsen. Der Markt sowie auch die öffentliche Unterstützung brachten dem Jakobsweg die Popularität und die Marketingförderung und hatten das Angebot von benötigten Dienstleitungen zur Folge.

 
 

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